Das Schloss Laupen, Kanton Bern, Schweiz
Koordinaten: 585 000/ 194 582 (Swissgrid)     N046.54' 07.77" E007° 14' 30.29"



Das Städchen Laupen mit seinem Schloss (Ansicht aus Nordwesten)



Das Städtchen Laupen kann auf eine über 1000 Jahre alte Geschichte zurück blicken. Nach den Römern drangen Alemannische Siedler ins Mittelland und gelangten weit nach Westen, bevor sie durch gallorömisch und burgundische Heere wieder zurück gedrängt wurden bis an die Aare, Saane und Sense. Das Uechtland, wie dieses Grenzgebiet zwischen Aare und Saane/Sense genannt wurde, entstand. Viele Wehranlagen wurden an der Saane und Sense gebaut und bildeten ein Verteidigungslinie die einige Jahrhunderte bestand. Am Ende des ersten Jahrtausend in der Zeit von Burgunderkönig Rudolf des II und III wurde das Städtchen Laupen gegründet als Vorposten des Reichshofes zu Bümpliz. Aus dem süddeutschen Raum kam das Geschlecht der Zähringer ins Uechtland. In deren Gefolge kamen auch viele ihrer Vasallen, die die Grenzfesten an der Sense und Saane weiter ausbauten und so das Gebiet vor Angriffen der Burgunder schützten. Etliche Ortsnamen und Burgstellen an der Saane und Sense zeugen von diesen Vasallen-Familien. Einige dieser alten Holzburgen wurden zu dieser Zeit mit steinernen Türmen und Ringmauern ausgebaut, so auch die Burg Laupen. Als wichtiger Posten zur Verteidigung der Grenzen an der Saane-Sense-Linie war Laupen schon vor der Gründung der Stadt Bern wichtig. Nach der Städtegründung von Bern und Freiburg gelangte Laupen im Laufe der nächsten Jahrhunderte, durch die Lage an der, zu dieser Zeit, wichtigsten Strasse von Bern nach Freiburg, zu stattlicher Grösse. Und Laupen besass eine Brücke über die Sense die viele Zolleinnahmen brachte.




Grundriss vom Schloss (nach einem Plan von Fritz Tanner)


  1. Berntor mit einem Teil der Stadtmauer (erste Stadtmauer im 12.Jh.)                                                      
  2. Westtor ( ab dem 14./15.Jh. der Haupteingang)                                                                                    
  3. unterer Westzwinger mit Sodbrunnen(14.-17.Jh.)                                                                                  
  4. oberer Westzwinger (Schlosskänzeli)(14.-17.Jh.)                                                                                  
  5. Bergfried (errichtet im 12.Jh., im 17.Jh. teilweise abgerissen)                                                                  
  6. Palas und Ringmauer (errichtet im 13.Jh.)                                                                                               
  7. Das "neue Schloss". Mehr Platz für die Berner Vögte (erbaut ab 1648)                                                   
  8. Schopf, später ein Treppenhaus ( erbaut um 1770, bei der Renovation 1983-89 abgerissen)                  
  9. Pfisterei (16.17.Jh., heute mit geändertem Grundriss)                                                                             
  10. Der Sodbrunnen (14.Jh.) darüber die Sommerlaube (um 1770)                                                             
  11. Der Ostzwinger, später zur Bastion aufgefüllt mit Geschützstellungen(ursprüngliche Ringmauer 13.Jh.       
  12. Der Haupteingang ab dem 18.Jh. (Wahrscheinlich auch vor dem erstellen des Westtores im 17.Jh.)        
  13. Der Halsgraben (Bestand wohl schon zu Zeit der hölzernen Vorgängerburg des 10.Jh)                           
  14. Der Gefängnisturm aus dem 17.Jh.                                                                                                         
  15. Der Schlossweg mit Teilen der Stadtmauer (erste Stadtmauer im 12.Jh., der Schlossweg aus dem 18.Jh.
  16. gedeckte Treppe des Nordeinganges ab dem 17.Jh.                                                                              




   Ansicht von Osten, mit Graben, Brücke und jetzigem Haupteingang gut zu sehen links vom Haupteingang die aufgeschüttete Bastion, was früher der Ostzwinger war.



Ansicht von Südwesten. Schön zu sehen, der Sandsteinfelsen der die Anlage auf drei Seiten vor Angreifer schützt.  



  Kastenverliess im Gefängnisturm. Vier solcher Kästen hat es im Turm. z.T. nicht hoch genug um aufrecht stehen zu können!



Der Hofplatz. links das "neue Schloss", rechts der Palas, hinten die Sommerlaube mit Sodbrunnen und Laufbrunnen.  



Das Freiburgtor als westliches Tor des Städtchen. Vom Tor führt der Weg direkt über die Sensebrücke.



Das Berntor beim Schloss als östlicher Abschluss des Städtchens.  



  der"Chüngelturm" und das Murtentor sind beide verschwunden.



Stadtplan um 1778, mit noch vollständiger Ringmauer! östlich des Schlosses steht noch die grosse Schlossscheune.  




1.) Chüngelturm  2.) Murtentor  3.) Kirche  4.) Freiburgtor  5.) Berntor  6.) Schlossscheune  7.) Schloss         (Zeichnung von Spüngli1764)



Laupen im Laufe der Zeit



- zwischen 700-900 n.Chr. Rückzug der gallorömischen Bevölkerung nach Westen, Besiedelung durch Alemannische Völker. Gründung von befestigten Orten an der Saane und Sense.

- um das Jahr 1000 Ausbau des Ortes Laupens als Aussenstelle vom Reichshof Bümpliz durch die Burgunderkönige.

- nach 1032 geht Laupen an die Deutschen Könige, Beginn der Zähringischen Zeit. Zähringische Vasalen residieren auf den Burgen an Sense und Laupen und bauen diese weiter aus. Laupen wird Reichsfeste und Grafen von Laupen regieren. Erstmals wird eine Stadtmauer gebaut.


- Zwischen dem 11. und 13.Jh, wird die Burg schrittweise versteinert und erhält eine Ringmauer, Bergfried und einen Palas.


- ab 1253 herrschen die Grafen von Kyburg bis zu deren Aussterben über Laupen.


- ab 1263/64 Machtkampf der Habsburger (die Erben der Kyburger) gegen die Grafen von Savoyen um Laupen. Die Habsburger siegen.


- ab 1269 setzen die Habsburger den Grafen von Maggenberg als Verwalter in Laupen ein.


- 1273 fällt Laupen wieder an den deutschen König zurück. Laupen erhält die Reichsfreiheit.


- 1275 erhält Laupen das Stadtrecht von König Rudolf I von Habsburg.

- 1310 König Heinrich VII verpfändet Schloss und Stadt Laupen an den Grafen von Grandson.


- 1324 nach einigen Handänderungen gelangt Laupen als Reichspfand für 3000 Pfund Pfennige an die Stadt Bern. Das Pfand wurde nie eingelöst und somit blieb Laupen bei Bern. Daraus entstand ein Konflikt der schlussendlich zum Laupenkrieg führte.


- 1324-1798 Berner Landvogtei. Insgesamt 92 Landvögte amteten für die Stadt Bern auf dem Schloss Laupen.

- 1339 Eskalation des Laupenkrieges. Laupen wird von einer Koalition von Westschweizer und Berner Landadligen, sowie der Stadt Freiburg belagert. Es kommt zur Schlacht auf dem Bramberg. Die Berner Truppen, unterstützt durch Schwyzer-,Unterwaldner-, Solothurner- und Urner Truppen, siegen.


- Bis 1450 profitiert Laupen vom Verkehr zwischen Bern und Freiburg und lässt das Städtchen wachsen.

- 1450 entsteht in Gümmenen eine Brücke über die Saane und 1467 in Neuenegg eine über die Sense. Laupen verliert an Bedeutung.

- bis 1581 hatte das Schloss Holzschindeln auf dem Dach. Nun wurde diese ersetzt durch Tonziegel


- vom 14.-17.Jh entstehen viel Umbauten am Schloss. Das Westtor, der untere und obere Westzwinger entstehen.


- ab1647 entsteht das "neue" Schoss. Der alte Bergfried wird in den Neubau integriert.


- 1660-62 entsteht der Käfigturm mit vier Holzkästen für die Gefangenen.

- 1660 wird auch der Westeingang geändert und der heutige Westeingang mit der Nordtreppe entsteht.

- 1670 wird der Westzwinger umgebaut und erhält den heutigen Grundriss.

- 1748 wird die Pfisterei neu gebaut.

- 1760 wird der Bergfried auf die jetzige Höhe reduziert.


- 1770 der Schopf wird zum Treppenhaus und wird 1983 wieder abgerissen

- 1803 neuer Berner Amtsbezirk Laupen


- 1983-88 umfassende Felssarnierung und Gesamtrenovation des Schlosses


- Seit 1997 Verwaltungskreis Bern-Laupen






Quellen:
Das Schloss Laupen, Heinrich Türler 1924 (Neues Berner Taschenbuch)
Laupen, Hugo Balmer 1924 (Heimatschutz)
Die Geschichte von Laupen, E.Blösch 1872 (Archiv des historischen Vereins Bern)
B.Schmid, F.Moser: Die Burgen und Schlösser der Schweiz, Kanton Bern: Mittelland, Emmental und Oberaargau (1.Teil)
Die Burgenkarte der Schweiz-West
Internet: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS)



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erstellt im Januar 2016

Last updated: 14.Januar 2016


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